Rechnungen erfassen, ohne sie abzutippen
Der Ablauf beginnt nicht beim Auslesen, sondern beim Vorsortieren: im Rechnungspostfach liegen auch Mahnungen, Kontoauszüge und Werbung. Danach werden die Felder inhaltlich zugeordnet, gegen die Stammdaten geprüft und übergeben. Was unsicher bleibt, läuft nicht durch, sondern landet in einer Prüfliste — bei üblichem Rechnungsbild betrifft das rund ein Drittel.
Warum scheitert die vorlagenbasierte Erkennung?
Weil sie Felder über ihre Position auf dem Blatt findet. Das funktioniert, solange jeder Lieferant sein Layout behält — und genau das tut er nicht. Eine Vorlage pro Lieferant zu pflegen ist Arbeit, die in keinem Haus dauerhaft geleistet wird, und bei Einmallieferanten von vornherein unmöglich.
Kontextbasierte Auswertung fragt stattdessen, was ein Wert ist: eine Rechnungsnummer wird als solche erkannt, weil sie in einem Zusammenhang steht, nicht weil sie an einer bestimmten Stelle steht. Das ist der Grund, warum ein unbekanntes Layout keinen Sonderfall darstellt — und warum ein schief fotografierter Beleg aus dem Außendienst überhaupt eine Chance hat.
Der Preis dieser Flexibilität ist, dass das Ergebnis nicht deterministisch ist. Deshalb gehört zu jedem produktiven Ablauf eine Schwelle: unterhalb einer definierten Sicherheit wird nicht gebucht, sondern vorgelegt.
Welche Felder werden ausgelesen und geprüft?
Auslesen allein genügt nicht — jedes Feld hat eine Prüfung, die daran hängt.
Lieferant
Abgleich gegen den Kreditorenstamm über Name, Anschrift, UID und IBAN gemeinsam — ein Feld allein trägt die Zuordnung nicht.
Rechnungs- und Leistungsdatum
Zwei verschiedene Angaben, die für die Periodenzuordnung beide gebraucht werden und in vielen Layouts nur eines davon tragen.
Netto, Steuer, Brutto
Rechnerisch gegeneinander geprüft. Stimmt die Summe nicht, ist das kein Erfassungsfehler, sondern ein Befund für die Prüfliste.
Steuersatz und Steuerfall
Innergemeinschaftlich, Reverse Charge, differenzbesteuert — erkannt am Textbefund und mit Fundstelle belegt, nicht geraten.
Bestell- oder Auftragsbezug
Für den Abgleich gegen die Bestellung. Fehlt der Bezug, ist das eine typische Ursache späterer Klärfälle.
Zahlungsziel und Skonto
Aus dem Fließtext, nicht nur aus einem Feld. Genau hier entstehen die Verluste, wenn die Erfassung zu spät kommt.
Welche Fälle gehen bewusst in die Prüfliste?
Nicht weil die Erkennung versagt, sondern weil eine fachliche Entscheidung nötig ist. Ein Ablauf, der diese Fälle durchlaufen lässt, ist nicht besser — er ist gefährlicher.
Sammelrechnungen
Eine Rechnung, viele Vorgänge, oft über mehrere Kostenstellen. Sie fällt bewusst in die Prüfliste — die Aufteilung ist eine fachliche Entscheidung, keine Erkennungsfrage.
Gutschriften und Stornos
Vorzeichen und Bezug zum Ursprungsbeleg. Wird das falsch erfasst, entsteht ein Fehler, der bei der Zahlung auffällt statt bei der Buchung.
Abschlags- und Schlussrechnungen
Die Schlussrechnung verweist auf frühere Abschläge. Ohne diesen Bezug wird doppelt gezahlt — der teuerste Einzelfehler in diesem Prozess.
Fremdwährung
Betrag, Währung und Kurs müssen zusammen erfasst werden, sonst stimmt die Zuordnung, aber nicht der Wert.
Rechnungen ohne Bestellbezug
Sie brauchen eine sachliche Freigabe. Der Ablauf leitet sie an die zuständige Person weiter, statt sie durchlaufen zu lassen.
Mahnungen und Kontoauszüge im Rechnungspostfach
Sie sehen aus wie Rechnungen und sind keine. Die Vorsortierung ist der unscheinbarste und wirksamste Teil des Ablaufs.
Wo entstehen Doppelzahlungen?
Fast nie dort, wo man sie sucht. Der klassische Fall ist nicht dieselbe Rechnung zweimal im Postfach — den fängt jeder Dublettenabgleich. Teuer wird die Kombination aus Abschlags- und Schlussrechnung: die Schlussrechnung nennt den vollen Betrag und verweist im Fließtext auf bereits gezahlte Abschläge. Wer diesen Verweis nicht liest, zahlt korrekt erfasst und trotzdem doppelt.
Der zweite Fall ist die Rechnung, die einmal per Mail und einmal per Post kommt, mit abweichender Formatierung und identischem Inhalt. Der Abgleich muss deshalb auf Lieferant, Rechnungsnummer und Betrag gemeinsam laufen — eine Nummer allein verändert sich zu leicht.
In beiden Fällen wird markiert, nicht verworfen. Ein automatisch gelöschter Verdachtsfall ist der gefährlichere Fehler, weil er niemandem auffällt.
Was bleibt beim Menschen?
Die Freigabe und die Buchung — unverändert, mit den Zuständigkeiten und Berechtigungen, die heute gelten. Wir entfernen das Abtippen davor, nicht die Kontrolle danach. Dazu kommt die Prüfliste: die Fälle, die eine Entscheidung brauchen, kommen gebündelt und mit hervorgehobenen Feldern statt verteilt über den Tag.
Für die Nachvollziehbarkeit wird jeder Schritt protokolliert: Ausgangsdokument, ausgelesene Werte, Prüfergebnis, Korrektur durch wen und wann. Der Originalbeleg bleibt unverändert erhalten — das erfasste Ergebnis ist die Bearbeitung, nicht der Ersatz des Nachweises.
Häufige Fragen
Wie hoch ist die Automatisierungsquote realistisch?+
Bei üblichem Eingangsrechnungsbild laufen typischerweise um die 70 Prozent ohne Rückfrage durch. Die Spanne ist breit: ein Bestand mit wenigen Stammlieferanten erreicht mehr, ein Bestand mit vielen Einmalzahlungen deutlich weniger. Die Zahl für Ihr Haus entsteht im Pilot, nicht im Angebot.
Was passiert mit den restlichen 30 Prozent?+
Sie landen in einer Prüfliste, in der die unsicheren Felder hervorgehoben sind. Der Bearbeiter korrigiert eine Stelle statt den ganzen Beleg neu zu erfassen — das ist der eigentliche Zeitgewinn, weil dieser Rest sonst die teuerste Arbeit ist.
Brauchen wir dafür E-Rechnung oder ZUGFeRD?+
Nein. Wo strukturierte Rechnungen ankommen, werden sie natürlich direkt verwendet. Der Ablauf ist aber gerade für das gebaut, was daneben ankommt: PDF, Scan, Foto, Anhang aus dem Postfach.
Wie wird gegen Doppelzahlung geschützt?+
Über einen Dublettenabgleich auf Lieferant, Rechnungsnummer und Betrag, zusätzlich über den Bezug zwischen Abschlags- und Schlussrechnung. Ein Verdachtsfall wird nicht automatisch verworfen, sondern markiert — automatisches Löschen wäre der gefährlichere Fehler.
Was ändert sich für die Freigabe?+
Nichts an den Zuständigkeiten. Der Ablauf erfasst und prüft, die Freigabe bleibt in Ihrem Workflow mit Ihren Berechtigungen. Wir verschieben die Kontrolle nicht, wir entfernen das Abtippen davor.
Was ist mit der GoBD-Nachvollziehbarkeit?+
Jeder Vorgang wird protokolliert: Ausgangsdokument, ausgelesene Werte, Prüfergebnis, Korrektur durch wen und wann. Der Originalbeleg bleibt unverändert erhalten und bleibt der Nachweis — das erfasste Ergebnis ist die Bearbeitung, nicht der Ersatz.
Ab welchem Volumen lohnt sich das?+
Als Faustregel ab etwa tausend Belegen im Monat. Darunter übersteigt der Aufwand für Anbindung, Ausnahmeregeln und Testbetrieb die eingesparte Erfassungszeit.
Zwanzig Belege genügen für eine Aussage
Schicken Sie uns zwanzig typische Eingangsrechnungen samt der Ausreißer, die heute Ärger machen. Sie bekommen die ausgelesenen Felder zurück und eine realistische Durchlaufquote für Ihr Belegbild.
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