KI-Agent
Ein KI-Agent beantwortet nicht nur, sondern führt Handlungen aus: Er liest ein Dokument, prüft es gegen Stammdaten und legt einen Vorgang im Fachsystem an. Der Unterschied zum Assistenten ist die Wirkung nach außen — und damit die Frage, was passiert, wenn die Handlung falsch war. Genau deshalb gehört zu jedem produktiven Agenten eine Schwelle, unterhalb derer er an einen Menschen übergibt.
Was macht einen Agenten aus?
Drei Eigenschaften: Er verfolgt ein Ziel über mehrere Schritte, er nutzt dafür Werkzeuge oder Schnittstellen, und er entscheidet unterwegs, welcher Schritt als nächstes kommt. Ein System, das nur Text ausgibt, ist kein Agent — auch wenn es so genannt wird.
Aus dieser Definition folgt der Unterschied in der Absicherung: Bei einer falschen Textantwort liest jemand etwas Falsches. Bei einer falschen Handlung ist etwas passiert.
Wie sichert man einen Agenten ab?
Über vier Dinge, die zusammengehören. Eine Schwelle: Unterhalb einer definierten Sicherheit wird nicht gehandelt, sondern vorgelegt. Enge Rechte: genau die Berechtigungen des übernommenen Arbeitsschritts, keine Sammelzugänge. Ein vollständiges Protokoll: Eingabe, Entscheidung, Begründung, Zeitstempel. Und Umkehrbarkeit: Was nicht zurückgeholt werden kann, gehört nicht hinter eine Wahrscheinlichkeitsschwelle.
Die vierte Bedingung schließt ganze Anwendungsfälle aus, und das ist beabsichtigt. Eine ausgelöste Zahlung, eine versendete Kündigung, eine abgegebene Zollanmeldung sind keine Kandidaten für Automatisierung ohne Freigabe.
Woran erkennt man einen geeigneten Prozess?
An hohem Volumen bei gleichbleibendem Ablauf, einem eindeutig als richtig oder falsch bewertbaren Ergebnis, begrenztem Schaden bei einem Fehler und einer verfügbaren Schnittstelle zum Zielsystem.
Fehlt eine dieser vier Eigenschaften, ist der Fall nicht ungeeignet — aber er braucht mehr Absicherung, und die Rechnung fällt anders aus. Fehlen zwei, ist es meist der falsche erste Anwendungsfall.
Wovon ist das zu unterscheiden?
Chatbot
Ein Chatbot antwortet. Ein Agent handelt. Die Absicherungsfrage stellt sich erst beim zweiten — dort aber vollständig.
Robotic Process Automation
Klassische Prozessautomatisierung folgt festen Regeln und bricht bei abweichenden Formaten ab. Ein Agent kommt mit unstrukturiertem Material zurecht, ist dafür nicht deterministisch — was Prüfschritte nötig macht, die RPA nicht braucht.
Häufige Fragen
Wie hoch ist die Durchlaufquote realistisch?+
Bei geeigneten Prozessen liegt sie oft um 70 Prozent, mit breiter Spanne je nach Gleichförmigkeit der Vorgänge. Die Zahl entsteht im Pilot an Ihren Daten — eine Zusage vorab wäre eine Erfindung.
Ist der Übergabeanteil ein Zeichen für schlechte Qualität?+
Nein, er ist eine Kennzahl des Systems. Ein Agent ohne Übergaben hat entweder einen sehr gleichförmigen Prozess — oder eine zu niedrig gesetzte Schwelle, und dann laufen Fehler durch, die niemand sieht.
Fällt ein Agent unter den EU AI Act?+
Meist in die niedrigste Risikoklasse, solange er keine Personen bewertet und keine Entscheidung mit rechtlicher Wirkung trifft. Die Einordnung ist trotzdem zu dokumentieren; die Schulungspflicht nach Artikel 4 gilt unabhängig davon.
Verwandte Begriffe
Am eigenen Dokument statt an Definitionen
Begriffe helfen bei der Einordnung, nicht bei der Entscheidung. Schicken Sie uns ein typisches Dokument und drei Fragen dazu — Sie sehen das Ergebnis an Ihrem eigenen Material, bevor über Budget gesprochen wird.
Test anfragen