Glossar

Prompt

Ein Prompt ist die Anweisung an ein Sprachmodell — bestehend aus der Frage des Nutzers und aus festen Regeln, die das System davorsetzt. Der sichtbare Teil ist die Frage; der wirksamere Teil sind die unsichtbaren Regeln: Antworte nur aus dem vorgelegten Material, nenne die Fundstelle, sage «weiß ich nicht», wenn nichts passt. In Unternehmensanwendungen liegt die Qualität überwiegend in diesem festen Teil.

Warum ist der feste Teil wichtiger als die Frage?

Weil die Nutzer ihre Fragen so stellen, wie sie ihnen einfallen — und das ist richtig so. Ein System, das nur bei geschickt formulierten Fragen brauchbare Antworten liefert, wird nach zwei Wochen nicht mehr benutzt.

Die Regeln im festen Teil legen fest, was passiert, wenn eine Frage unklar, unvollständig oder unbeantwortbar ist. Genau diese Fälle entscheiden über die Akzeptanz, nicht die Musterfrage aus der Demo.

Was gehört in die festen Regeln?

Vier Dinge, die sich in der Praxis bewährt haben: Antworte ausschließlich aus dem vorgelegten Material. Nenne bei jeder Aussage die Fundstelle. Wenn das Material die Frage nicht beantwortet, sage das ausdrücklich. Erfinde keine Werte, um eine Lücke zu füllen.

Hinzu kommen fachliche Regeln je Anwendungsfall — etwa dass Preise und Fristen als zustimmungspflichtig zu kennzeichnen sind, oder dass fehlende Angaben als Fehlstelle gemeldet werden statt als Null angenommen.

Ist Prompt Engineering ein Beruf?

Als eigenständige Rolle im Unternehmen selten sinnvoll. Was gebraucht wird, ist jemand aus dem Fachbereich, der beurteilen kann, ob eine Antwort brauchbar ist — die Formulierungsarbeit ergibt sich daraus und ist der kleinere Teil.

Eine Ausnahme: Wo Prompts Teil eines produktiven Ablaufs sind, gehören sie versioniert, getestet und freigegeben wie Programmcode. Eine Änderung im festen Teil ändert das Verhalten aller Antworten — ohne Test ist das ein unkontrollierter Eingriff in einen laufenden Prozess.

Wovon ist das zu unterscheiden?

Fine-Tuning

Ein Prompt wirkt sofort und ist jederzeit änderbar; Fine-Tuning verändert das Modell dauerhaft. Vieles, wofür Fine-Tuning vorgeschlagen wird, ist eine Prompt-Aufgabe.

Kontext

Der Prompt ist die Anweisung, der Kontext das mitgelieferte Material. Beide zusammen bilden die Eingabe — und beide zählen gegen das Kontextfenster.

Häufige Fragen

Müssen unsere Mitarbeiter Prompts lernen?+

Für ein gut gebautes Fachsystem nein — dort steckt die Arbeit im festen Teil. Sinnvoll ist trotzdem eine kurze Einweisung, was das System kann und wo seine Grenzen liegen; das erfüllt zugleich die Schulungspflicht nach Artikel 4 des EU AI Act.

Können Nutzer die festen Regeln aushebeln?+

Versuche dieser Art gibt es, und ein produktives System muss damit rechnen. Der wirksamste Schutz ist nicht die Formulierung, sondern die Architektur: Was das System technisch nicht darf — auf ein Dokument zugreifen, eine Buchung auslösen — kann es auch durch eine geschickte Eingabe nicht.

Sollten Prompts dokumentiert werden?+

In produktiven Abläufen unbedingt, mit Versionsstand und Freigabe. Sie sind Teil der Systembeschreibung, nach der im Prüfungsfall gefragt wird — und ohne Dokumentation lässt sich später nicht rekonstruieren, warum eine Antwort so ausfiel.

Am eigenen Dokument statt an Definitionen

Begriffe helfen bei der Einordnung, nicht bei der Entscheidung. Schicken Sie uns ein typisches Dokument und drei Fragen dazu — Sie sehen das Ergebnis an Ihrem eigenen Material, bevor über Budget gesprochen wird.

Test anfragen