KI-Einführung: die Technik ist selten der Engpass
Eine Einführung dauert von der Aufnahme bis zum Produktivbetrieb typischerweise drei bis vier Monate. Verlängert wird sie fast nie durch Modelle oder Schnittstellen, sondern durch offene Zuständigkeiten, wartende Freigaben und einen Fachbereich, dessen Zeitaufwand niemand eingeplant hat. Diese Seite beschreibt den Ablauf und die drei Rollen, ohne die er nicht funktioniert.
Woran hängt der Zeitplan wirklich?
Vier Dinge verzögern Einführungen regelmäßig — und keines davon ist technisch. Wer sie vorher benennt, spart mehr Zeit als jede Werkzeugentscheidung. Das ist auch der Grund, warum Angebote mit Wochenangaben ohne Mitwirkungspflichten wenig wert sind: Der Aufwand liegt zur Hälfte bei uns und zur Hälfte bei Ihnen, und die zweite Hälfte steht in kaum einem Angebot.
- Niemand darf abnehmen. Ohne eine Person, die verbindlich sagt «das Ergebnis ist gut genug», läuft die Rückmeldeschleife endlos weiter.
- Zugänge und Schnittstellen sind nicht geklärt. Der Testzugang zum DMS ist häufiger der kritische Pfad als die Modellauswahl.
- Der Fachbereich ist nicht freigestellt. Wer seine Fragen und Beispiele im Tagesgeschäft nebenbei liefern soll, liefert sie nicht.
- Vorgeschaltete Datenaufräumprojekte. Sie verzögern um Monate und werden selten fertig — Auffindbarkeit und korrekte Rechte genügen für den Anfang.
Wer macht was?
Drei Rollen bei Ihnen, eine bei uns. Fehlt eine davon, verschiebt sich der Termin — nicht der Aufwand.
Fachliche Entscheidung
Eine Person aus dem Fachbereich, die beurteilen darf, ob ein Ergebnis brauchbar ist. Das ist die wichtigste Besetzung im ganzen Projekt und die am häufigsten offen gelassene.
Technischer Zugang
Jemand aus der IT für Zugänge, Schnittstellen und Rechte. Nicht als Vollzeitaufgabe, aber als benannte Ansprechperson mit Entscheidungsbefugnis.
Rückendeckung
Eine Führungskraft, die den Zeitaufwand des Fachbereichs deckt und die Priorität gegen das Tagesgeschäft durchsetzt.
Umsetzung und Betrieb
Unsere Seite: Aufbau, Anbindung, Betrieb der Inferenz in der EU, Einweisung und die Übergabe der Kontrolle an Ihr Team.
Wie ist der Ablauf gegliedert?
In vier Abschnitten mit je einer Entscheidung dazwischen. Die Abschnitte selbst sind selten das Problem — Zeit geht zwischen ihnen verloren, beim Warten auf Zugänge, Freigaben und die Rückmeldung des Fachbereichs. Deshalb steht in der Planung nicht nur, was wir tun, sondern auch, was zu diesem Zeitpunkt von Ihrer Seite gebraucht wird.
Aufnahme und Auswahl
1–2 WochenWelche Tätigkeit kostet messbar Zeit, welche Daten liegen dafür vor, wer ist betroffen. Ergebnis ist die Entscheidung für einen Anwendungsfall — mit Zahlen, nicht mit Eindrücken.
PoC an echten Daten
1–2 WochenIhre Dokumente, Ihre Fragen. Danach steht eine belastbare Aussage über Trefferquote und Grenzen, bevor Budget für den Rollout gebunden wird.
Pilot mit Abbruchkriterien
2–4 WochenAbgegrenzter Bereich, echte Arbeit, vorher vereinbarte Schwellen. Ein Pilot ohne Abbruchkriterien endet in einer Diskussion über Eindrücke.
Rollout und Übergabe
4–8 WochenAnbindung, Rollen und Rechte, Nutzungsregel auf einer Seite, Einweisung an Ihren Daten — die zugleich die Schulungspflicht nach Artikel 4 des EU AI Act erfüllt.
Was gehört in die Kalkulation?
Drei Posten, von denen der dritte in Angeboten praktisch nie auftaucht und trotzdem über den Termin entscheidet: die Zeit Ihres Fachbereichs. Wer sie nicht einplant, bekommt kein günstigeres Projekt, sondern ein längeres — die Arbeit verschwindet nicht, sie wartet nur.
Der dritte Posten wird in Angeboten selten genannt und entscheidet trotzdem über den Termin. Rechnen Sie im Pilot mit mehreren Stunden pro Woche für die Person, die fachlich abnimmt, und mit punktuellem Aufwand in der IT für Zugänge und Schnittstellen. Beides ist kein Nebeneffekt, sondern Voraussetzung: Ohne fachliche Abnahme entsteht kein Ergebnis, das man verlängern könnte.
Wann sollten Sie nicht anfangen?
Vier Situationen, in denen ein Projektstart nur den Zeitpunkt des Stillstands verschiebt. Alle vier sind organisatorisch, keine technisch — und alle vier lassen sich vorher erkennen, wenn man die richtige Frage stellt. Die erste ist zugleich die verlässlichste Probe: Wenn im Haus nicht klar ist, wer entscheiden darf, ob ein Ergebnis gut genug ist, wird jede Rückmeldeschleife zur nächsten.
- Solange niemand benannt ist, der fachlich abnehmen darf. Dann verschiebt sich nur der Zeitpunkt des Stillstands.
- Wenn der Anwendungsfall aus der Geschäftsführung gesetzt wurde, ohne dass der Fachbereich ihn teilt — Akzeptanz lässt sich nachträglich nicht herstellen.
- Wenn parallel eine Systemablösung läuft, die dieselben Schnittstellen betrifft. Dann warten Sie das Ende ab.
- Wenn das Projektvolumen deutlich unter 25.000 € liegen soll.
FAQ
Wie viele Unternehmen nutzen KI überhaupt schon?+
Wie läuft die Einführung von KI im Unternehmen ab?+
Wie lange dauert eine Einführung insgesamt?+
Wen brauchen wir dafür im eigenen Haus?+
Was kostet ein Einführungsprojekt von der Aufnahme bis zum Betrieb?+
Wie überzeugen wir die Mitarbeiter?+
Was gehört in eine Nutzungsregel?+
Müssen wir vorher etwas an den Daten tun?+
Der Punkt, an dem es meistens hakt
Bevor wir über Werkzeuge sprechen: benennen Sie die Person, die am Ende sagt, ob das Ergebnis gut genug ist. Wenn diese Frage im Haus schwierig zu beantworten ist, haben Sie das Wichtigste über Ihr Projekt bereits erfahren.
Noch nicht so weit? Leitfaden: KI im Unternehmen einführen
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