Shadow AI: Ihre Mitarbeiter nutzen längst KI

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Shadow AI ist der Einsatz von KI-Werkzeugen ohne Freigabe der IT — und er ist in den meisten Unternehmen der Normalfall, nicht die Ausnahme. Ein Verbot verschiebt die Nutzung auf private Geräte und private Konten, wo weder Vertrag noch Protokoll noch Aufsicht greifen. Wirksam ist die umgekehrte Reihenfolge: erst eine erlaubte Alternative, dann Regeln, dann das Ende der unkontrollierten Nutzung.

Warum Shadow AI kein Randphänomen ist

Der Nutzen ist unmittelbar und der Zugang kostenlos: eine Mail formulieren, einen Vertragstext zusammenfassen, eine Tabelle erklären lassen. Wer damit dreißig Minuten spart, fragt nicht vorher die IT. Genau deshalb ist Shadow AI in fast jedem Unternehmen Realität — auch dort, wo eine Richtlinie existiert, die es untersagt.

Das Problem ist nicht die Nutzung. Das Problem ist, dass sie in einer Umgebung stattfindet, in der es weder Auftragsverarbeitungsvertrag noch Protokollierung noch eine Regel gibt, was hineingegeben werden darf.

Was passiert dabei tatsächlich?

Nicht der große Datenabfluss, sondern die Kleinigkeiten des Tagesgeschäfts:

  • Ein Angebot mit Kundennamen, Mengen und Konditionen wird zum Umformulieren eingefügt.
  • Ein Lebenslauf geht zur Zusammenfassung in ein kostenloses Konto.
  • Ein Vertragsentwurf des Mandanten wird «kurz geprüft».
  • Eine Kundenliste wird zum Sortieren hochgeladen.

Jeder dieser Vorgänge ist eine Übermittlung personenbezogener Daten an einen Dritten. Ohne Vertrag und Rechtsgrundlage ist das ein Datenschutzvorfall — unabhängig davon, ob technisch etwas schiefgeht.

Warum verschlimmert ein Verbot die Lage?

Ein Verbot ohne Alternative erzeugt keine Abstinenz, sondern Unsichtbarkeit. Die Arbeit, die vorher am Firmenrechner passierte, passiert danach am privaten Handy. Für das Unternehmen ändert sich genau eine Sache: Es weiß nicht mehr davon.

Dazu kommt ein zweiter Effekt, der selten mitbedacht wird. Wer produktiv arbeiten will und dafür Regeln umgehen muss, verliert das Gefühl dafür, welche Regeln ernst gemeint sind. Das trifft dann auch die Regeln, bei denen es wirklich darauf ankommt.

Fünf Schritte in der richtigen Reihenfolge

1. Bestand aufnehmen — ohne Sanktionen. Fragen Sie im Team, wer was nutzt, und stellen Sie klar, dass es um Bestandsaufnahme geht, nicht um Schuld. Die Liste ist fast immer länger als erwartet und enthält Werkzeuge, von denen die IT nie gehört hat.

2. Erlaubte Alternative bereitstellen. Ein Geschäftstarif mit Auftragsverarbeitungsvertrag oder ein eigener Assistent auf Infrastruktur in der EU. Ohne Alternative bleibt jede Regel Papier — das ist der Schritt, den die meisten überspringen.

3. Nutzungsregel auf einer Seite. Welche Werkzeuge erlaubt sind. Welche Daten hineindürfen. Was nie hineingehört: Kundennamen, Personaldaten, Zugangsdaten, Vertragsentwürfe Dritter. Wer bei Zweifeln entscheidet. Länger als eine Seite liest es niemand.

4. Einweisung durchführen. Bezogen auf Ihre Werkzeuge und Ihre Daten, nicht als allgemeiner Online-Kurs. Das erfüllt zugleich die Schulungspflicht nach Artikel 4 des EU AI Act, die seit Februar 2025 gilt.

5. Erst jetzt die unkontrollierte Nutzung beenden. Wenn es eine erlaubte Alternative gibt und die Regeln bekannt sind, ist ein Verbot durchsetzbar. Vorher ist es eine Absichtserklärung.

Was hat das mit dem EU AI Act zu tun?

Mehr, als es zunächst wirkt. Die Pflicht zur KI-Kompetenz gilt unabhängig von Risikoklasse und Unternehmensgröße — und sie lässt sich nicht erfüllen, wenn niemand weiß, welche Systeme im Haus überhaupt genutzt werden. Die Bestandsaufnahme aus Schritt 1 ist deshalb nicht nur Datenschutz, sondern zugleich der erste Schritt der Einordnung nach dem AI Act.

Zwei Regelwerke, ein Arbeitsschritt. Das ist der pragmatische Grund, beides gemeinsam anzugehen statt nacheinander.

Was Sie diese Woche tun können

Eine anonyme Umfrage mit drei Fragen: Welche KI-Werkzeuge nutzen Sie beruflich? Wofür? Welche Daten geben Sie dabei ein? Das Ergebnis ist unbequem und genau deshalb nützlich — es beendet die Diskussion darüber, ob es das Thema im Haus überhaupt gibt.

FAQ

Woran erkennt man Shadow AI im eigenen Haus?+
Fragen Sie ohne Sanktionsandrohung. Eine anonyme Kurzumfrage im Team liefert in der Regel eine längere Liste als erwartet — und sie ist die Grundlage für alles Weitere. Netzwerkprotokolle zeigen nur einen Teil, weil vieles über private Geräte läuft.
Ist ein Verbot nicht der sichere Weg?+
Rechtlich vielleicht, praktisch nicht. Ein Verbot ohne Alternative erzeugt keine Abstinenz, sondern Unsichtbarkeit: dieselbe Arbeit passiert weiter, nur auf privaten Konten ohne Auftragsverarbeitungsvertrag und ohne Protokoll.
Was ist der häufigste tatsächliche Schaden?+
Nicht der spektakuläre Datenabfluss, sondern Alltägliches: ein Angebot mit Kundennamen und Konditionen im kostenlosen Chat, ein Bewerberlebenslauf zur Zusammenfassung, ein Vertragsentwurf zur Prüfung. Jeder dieser Vorgänge ist ein meldepflichtiger Vorfall, wenn kein Vertrag besteht.
Wie lange dauert es, das zu ordnen?+
Zwei bis drei Wochen für Bestandsaufnahme, erlaubte Alternative, Nutzungsregel und Einweisung. Der aufwendigste Teil ist nicht die Technik, sondern die Entscheidung, welches Werkzeug offiziell werden soll.