On-Premise
On-Premise bedeutet, dass eine Anwendung auf eigenen Servern im eigenen Rechenzentrum läuft statt in der Infrastruktur eines Anbieters. Im KI-Kontext wird der Begriff oft als Synonym für «datenschutzkonform» verwendet — das ist er nicht: Entscheidend ist die Kontrolle über die Verarbeitung, und die lässt sich auch ohne eigene Hardware herstellen. Eigenbetrieb ist ein Weg dorthin, nicht die Bedingung.
Wofür On-Premise tatsächlich gebraucht wird
Für Anforderungen, die keine vertragliche Zusicherung erfüllen kann: Daten, die das eigene Netz aus regulatorischen Gründen nicht verlassen dürfen, Auflagen einer Aufsichtsbehörde, oder Umgebungen ohne Internetanbindung. Das sind reale Fälle, und dort ist Eigenbetrieb die richtige Antwort.
Was On-Premise nicht ist: eine allgemeine Antwort auf die Frage «ist das sicher». Als Standardlösung dafür ist es eine teure Beruhigung — und eine, die Verantwortung nicht abnimmt, sondern verschiebt. Wer selbst betreibt, haftet auch selbst für Konfiguration, Zugriffsrechte und Sicherheitsupdates; ein Server im eigenen Keller mit offenen Berechtigungen ist unsicherer als eine saubere Auftragsverarbeitung.
Der Begriff wird zudem uneinheitlich verwendet. Manche meinen damit Hardware im eigenen Haus, andere jede Umgebung, in der sie Administratorrechte haben. Vor einer Ausschreibung lohnt es, diese Frage zu klären — sonst vergleicht man Angebote, die verschiedene Dinge beschreiben.
Was der Eigenbetrieb kostet
Nicht nur Hardware. Wer selbst betreibt, verantwortet Verfügbarkeit, Sicherheitsupdates, Modellwechsel, Skalierung bei Lastspitzen und die Fehlersuche, wenn nachts etwas hängt. Für ein mittelständisches Unternehmen ohne eigenes Team für KI-Infrastruktur ist das der größere Posten.
Dazu kommt die Modellfrage: Modelle werden schnell abgelöst. Wer die Infrastruktur an eine Modellgeneration bindet, wiederholt den Aufbau bei jedem Wechsel — oder bleibt auf einem veralteten Stand, weil der Umbau zu aufwendig ist.
Der Posten, der in Kalkulationen fehlt, ist die Auslastung. Eine Grafikkarte der Serverklasse kostet gleich viel, ob sie zu achtzig Prozent oder zu fünf ausgelastet ist. Bei den üblichen Anfragevolumen im Mittelstand ist der zweite Fall der wahrscheinlichere.
Die Alternative, die meist übersehen wird
Inferenz auf dedizierter Infrastruktur eines Anbieters innerhalb der EU. Der Verarbeitungsort ist bekannt und vertraglich zugesichert, die Drittlandsübermittlung entfällt als Prüfpunkt, und Betrieb, Updates und Modellwechsel bleiben beim Anbieter.
Rechtlich ist das eine gewöhnliche Auftragsverarbeitung: Vertrag nach Artikel 28, benannte Unterauftragsverarbeiter mit Verarbeitungsort, dokumentierte Löschfristen. Für die meisten Anforderungen ist das ausreichend — und deutlich billiger als eigene Hardware.
Der Unterschied zur üblichen Cloud-Nutzung liegt darin, dass der Verarbeitungsort nicht zugesichert, sondern offengelegt wird: welche Rechenzentren, welche Unterauftragsverarbeiter, welche Zugriffswege im Support. Diese Angaben lassen sich prüfen, eine Zusicherung nur glauben.
Praktisch entscheidet also nicht die Frage «eigene Hardware oder nicht», sondern eine andere: Kann der Anbieter schriftlich sagen, wo gerechnet wird, wer im Support zugreift und wo die Protokolle liegen. Wer das kann, erfüllt dieselbe Anforderung ohne Betriebsaufwand auf Ihrer Seite.
Wovon ist das zu unterscheiden?
Private Cloud
Private Cloud ist dedizierte Infrastruktur bei einem Anbieter, On-Premise ist Hardware im eigenen Haus. Rechtlich sind beides Auftragsverarbeitung beziehungsweise Eigenverarbeitung — der Unterschied liegt im Betriebsaufwand, nicht automatisch im Schutzniveau.
Datenstandort EU
Ein Server in der EU sagt nichts über den Ort der Berechnung: Firmensitz, Ort der Oberfläche und Ort der Inferenz fallen häufig auseinander. On-Premise beantwortet die Frage eindeutig, EU-Verarbeitung beantwortet sie ebenfalls — wenn sie offengelegt statt zugesichert wird.
Air-gapped
Eine Umgebung ganz ohne Netzverbindung ist ein Sonderfall von On-Premise mit erheblich höherem Aufwand: Modelle, Updates und Sicherheitspatches müssen manuell eingespielt werden. Wer «On-Premise» sagt, meint das fast nie — der Unterschied gehört vor die Ausschreibung geklärt.
Häufige Fragen
Ist On-Premise automatisch DSGVO-konform?+
Nein. Die Verordnung verlangt Rechtsgrundlage, Zweckbindung, Rollen- und Löschkonzept — davon erledigt Eigenbetrieb keinen einzigen Punkt. Er entfernt nur die Frage nach dem Verarbeitungsort, und die lässt sich auch anders beantworten.
Wann lohnt sich Eigenbetrieb wirklich?+
Wenn Daten das eigene Netz aus regulatorischen Gründen nicht verlassen dürfen, wenn eine Aufsicht es verlangt, oder wenn die Umgebung ohne Internetanbindung arbeitet. Ausserhalb dieser Fälle zahlt man Betriebsaufwand für ein Sicherheitsgefühl, das ein Vertrag ebenfalls herstellt.
Welche Hardware braucht ein eigenes LLM?+
Das hängt vom Modell und vom Anfragevolumen ab; für brauchbare Antwortzeiten bei mehreren gleichzeitigen Nutzern reden wir über Grafikkarten der Serverklasse. Die Anschaffung ist dabei selten das Problem — die Auslastung ist es: Eine Karte, die nachts leerläuft, kostet trotzdem.
Verwandte Begriffe
Welche Variante zu Ihrer Anforderung passt
Nennen Sie uns die Auflage, die hinter der Frage steht — Aufsicht, Konzernvorgabe oder Netztrennung. Danach lässt sich in einem Gespräch klären, ob Eigenbetrieb nötig ist oder ob eine dedizierte Verarbeitung in der EU dieselbe Anforderung erfüllt.
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