Anwendungsfall · Verträge

Verträge automatisch auslesen, statt sie zu durchsuchen

Ausgelesen werden Laufzeit, Kündigungsfrist, Preisanpassung, Haftung und Gerichtsstand — jeweils mit Fundstelle im Dokument. Aus Frist und Bezugsdatum entsteht der errechnete letzte Kündigungstag, und der geht in den Kalender, den Sie schon haben. Die rechtliche Bewertung bleibt, wo sie hingehört: beim Anwalt. Wir entfernen das Suchen davor.

Was kann KI bei Verträgen — und was nicht?

Sie kann finden, errechnen und vergleichen. Sie kann nicht bewerten, ob eine Klausel wirksam, angemessen oder verhandelbar ist. Diese Grenze wird in Angeboten oft verwischt, und sie ist der Grund, warum Projekte im Vertragswesen scheitern: ein Werkzeug, dem die Rechtsabteilung nicht zutraut, was es behauptet, wird nach zwei Wochen nicht mehr geöffnet.

Der Nutzen liegt deshalb nicht in der Beurteilung, sondern in der Vorarbeit. In einem Bestand von achthundert Verträgen ist die teure Arbeit nicht die juristische Einschätzung einer Haftungsklausel, sondern das Auffinden aller Haftungsklauseln. Diese Arbeit ist mechanisch, wiederholbar und bindet heute Stunden von Menschen, die dafür zu teuer sind.

Praktisch heißt das: jedes Ergebnis trägt eine Fundstelle. Wer die Aussage prüfen will, springt in den Absatz statt dem Ergebnis zu glauben. Ein Befund ohne Fundstelle ist im Vertragswesen nicht verwertbar — er erzeugt Arbeit statt sie zu sparen.

Welche Klauseln werden ausgelesen?

Nicht der Text der Klausel ist das Ergebnis, sondern die daraus verwertbare Angabe.

Laufzeit und Verlängerung

Beginn, Ende und die Frage, ob sich der Vertrag automatisch verlängert. Die stillschweigende Verlängerung ist der häufigste Grund, warum ein Vertrag länger läuft als gewollt.

Kündigungsfrist und Stichtag

Nicht die Frist allein, sondern der daraus errechnete letzte Kündigungstag. Eine Frist ohne Datum ist keine Information, die jemand im Kalender nutzen kann.

Preis und Preisanpassung

Vergütung, Indexklauseln, Staffelungen. Hier steht, was der Vertrag in drei Jahren kostet — und diese Angabe steht fast nie an derselben Stelle wie der Preis.

Haftung und Haftungsbegrenzung

Obergrenzen, Ausschlüsse, Freistellungen. Ausgelesen und mit Fundstelle belegt, damit die juristische Bewertung nicht erst die Stelle suchen muss.

Gerichtsstand und Rechtswahl

Zwei getrennte Angaben, die oft verwechselt werden. Für einen Bestand mit Auslandsbezug ist das die erste Sortierfrage.

Leistungsumfang und Nebenpflichten

Was geschuldet ist, einschließlich Mitwirkungs-, Melde- und Dokumentationspflichten, die im Fließtext stehen statt in einer Liste.

Welche Vertragsarten lohnen sich zuerst?

Die Reihenfolge richtet sich nach Menge und Gleichförmigkeit, nicht nach Wichtigkeit.

Rahmen- und Lieferantenverträge

Der lohnendste Anfang: viele gleichartige Dokumente, klare Fragen nach Preisanpassung und Laufzeit, unmittelbarer Nutzen für den Einkauf.

Arbeitsverträge

Hoher Standardisierungsgrad, daher gut für den Abgleich gegen die eigene Mustervorlage. Abweichungen bei Befristung, Probezeit und Nebentätigkeit fallen sofort auf.

Mietverträge für Gewerbeflächen

Lange Laufzeiten, Indexmieten, Optionsrechte. Gerade hier ist der errechnete Stichtag wertvoller als der Vertragstext selbst.

Kauf- und Werkverträge

Abnahme, Gewährleistung, Vertragsstrafen. Die Fristen hängen an Ereignissen statt an Kalenderdaten — das macht die Auswertung anspruchsvoller.

Geheimhaltungsvereinbarungen

Kurze Dokumente in großer Zahl. Der Abgleich gegen den eigenen Standard ist hier fast vollständig automatisierbar.

Altbestand ohne Struktur

Gescannte Verträge aus dem Archiv, teils ohne Textebene. Genau dieser Bestand ist der Grund, warum niemand weiß, was in den Verträgen steht.

Wie entsteht aus einer Frist ein Stichtag?

Eine Kündigungsfrist steht selten als Datum im Vertrag. Sie steht als Regel: drei Monate zum Quartalsende, sechs Wochen zum Monatsende, ein Jahr zum Ablauf der Mindestlaufzeit. Um daraus einen Tag zu machen, braucht es das Bezugsdatum, die Laufzeitregel und die Frage, ob sich der Vertrag bereits verlängert hat.

Genau an dieser Stelle entsteht der Nutzen, und genau hier wird auch der teuerste Fehler gemacht. Wird nur die Frist ausgelesen und als Text weitergegeben, hat niemand etwas davon: „drei Monate zum Quartalsende“ ist keine Erinnerung, die man sich eintragen kann. Der Ablauf gibt deshalb ein Datum aus und die Rechnung dazu.

Ist das Bezugsdatum unklar — weil der Vertrag kein Beginndatum nennt oder auf eine Abnahme verweist, die nicht im Dokument steht — wird kein Datum geraten. Der Vertrag geht mit dieser Begründung in die Prüfliste.

Wo der Bestand liegt, ist dabei zweitrangig: Verträge stehen in der Regel in SharePoint, im DMS oder auf einem Netzlaufwerk. Wie diese Quellen lesend angebunden werden, ohne bestehende Berechtigungen zu umgehen, steht unterKI-Suche über SharePoint, Confluence und DMS.

Häufige Fragen

Kann KI einen Vertrag rechtlich prüfen?+

Nein, und das ist keine Vorsichtsformel. Eine rechtliche Prüfung ist eine Bewertung im Einzelfall und bleibt beim Anwalt oder der Rechtsabteilung. Was der Ablauf leistet, ist die Vorarbeit davor: Klauseln finden, Fristen errechnen, Abweichungen vom eigenen Standard markieren — jeweils mit Fundstelle. Die Bewertung wird dadurch schneller, weil das Suchen entfällt, nicht weil sie ersetzt wird.

Was bedeutet Abgleich gegen den eigenen Standard?+

Sie geben Ihre Mustervertragsklauseln als Referenz vor. Jeder eingehende Vertrag wird dagegen gestellt, und das Ergebnis ist eine Liste der Stellen, die abweichen — nicht eine Bewertung, ob die Abweichung gut ist. Diese Unterscheidung ist der Punkt, an dem solche Projekte üblicherweise scheitern: ein Werkzeug, das selbst entscheidet, wird nicht benutzt.

Funktioniert das auch bei gescannten Altverträgen?+

Ja, über Texterkennung vor der Auswertung. Die Qualität hängt am Scan: ein saubere Graustufenscan ist unproblematisch, ein schiefes Fax aus den neunziger Jahren liefert Lücken. Solche Dokumente gehen bewusst in die Prüfliste, statt mit halb erkannten Fristen in ein Berichtswesen zu wandern.

Wie werden Fristen überwacht, nachdem sie ausgelesen sind?+

Der errechnete Stichtag wird an das System übergeben, in dem Ihre Termine ohnehin liegen — Kalender, Ticketsystem oder Vertragsdatenbank. Wir bauen keine zweite Oberfläche, die niemand öffnet. Die Erinnerung kommt dort an, wo die zuständige Person ohnehin hinsieht.

Verlassen unsere Verträge dabei das Haus?+

Nein, wenn das die Anforderung ist. Der Ablauf läuft mit Inferenz in der EU oder vollständig on-premise in Ihrer Umgebung. Bei Verträgen ist das regelmäßig die Bedingung, unter der ein Projekt überhaupt beginnt — Vertragsinhalte sind Geschäftsgeheimnisse und bei Arbeitsverträgen zusätzlich personenbezogene Daten.

Ab welchem Bestand lohnt sich das?+

Als Faustregel ab einigen hundert laufenden Verträgen oder ab etwa fünfzig neuen im Monat. Darunter ist der Aufwand für Referenzklauseln, Ausnahmeregeln und Anbindung höher als der Nutzen. Der Bestand ist dabei wichtiger als der Zulauf: ein Archiv, dessen Fristen niemand kennt, rechtfertigt das Projekt allein.

Was passiert mit Verträgen, die der Ablauf nicht sicher auswerten kann?+

Sie landen in einer Prüfliste, in der die unsicheren Stellen hervorgehoben sind, statt durchzulaufen. Bei Verträgen ist das wichtiger als bei Belegen: eine falsch erkannte Kündigungsfrist wird nicht bei der nächsten Zahlung bemerkt, sondern erst, wenn der Stichtag verstrichen ist.

Fristen im eigenen Bestand sichtbar machen

Im Discovery nehmen wir einen Ausschnitt Ihrer Verträge, lesen ihn aus und zeigen das Ergebnis samt Fehlerquote an Ihren eigenen Dokumenten — bevor über ein Projekt gesprochen wird.

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