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Glossar

KI-Richtlinie

Eine KI-Richtlinie legt innerbetrieblich fest, welche Werkzeuge genutzt werden dürfen, mit welchen Daten und mit welcher Prüfung. Vorgeschrieben ist sie nicht. Nützlich ist sie dann, wenn sie kurz genug ist, um gelesen zu werden, und konkret genug, um im Zweifel eine Antwort zu geben — beides trifft auf die meisten in Umlauf befindlichen Muster nicht zu.

Was gehört hinein?

Fünf Festlegungen, mehr braucht es nicht. Welche Werkzeuge freigegeben sind, namentlich. Welche Daten hineindürfen und welche ausdrücklich nicht. Wer ein Ergebnis prüft, bevor es das Haus verlässt. Wie ein neues Werkzeug freigegeben wird. Und an wen man sich wendet, wenn etwas auffällt.

Was nicht hineingehört: allgemeine Ausführungen über künstliche Intelligenz, Wiedergaben des Gesetzestexts und Verbote, die niemand durchsetzt. Jede Seite, die keine Entscheidung erleichtert, senkt die Wahrscheinlichkeit, dass die Richtlinie überhaupt gelesen wird.

Warum scheitern die meisten Richtlinien?

Weil sie verbieten, ohne eine Alternative anzubieten. Eine Anweisung, ChatGPT nicht zu verwenden, ändert nichts an dem Grund, aus dem es verwendet wurde — die Arbeit muss trotzdem gemacht werden. Das Ergebnis ist nicht weniger Nutzung, sondern unsichtbare Nutzung über private Zugänge.

Die wirksame Reihenfolge ist umgekehrt: erst ein freigegebener Weg, der die Aufgabe genauso gut löst, dann die Regel. Eine Richtlinie ohne freigegebenes Werkzeug ist eine Erklärung, warum die Schattennutzung weitergeht.

Wie verhält sie sich zu Recht und Mitbestimmung?

Sie ersetzt nichts. Die Pflichten aus der KI-Verordnung folgen aus dem Gesetz und nicht aus Ihrer Richtlinie; die datenschutzrechtliche Rechtsgrundlage ebenso. Und wo Beschäftigte betroffen sind, ist eine einseitige Anweisung der falsche Weg: Überwachungsgeeignete Systeme lösen in Deutschland Mitbestimmung nach § 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG aus, in Österreich § 96 Abs. 1 Z 3 ArbVG.

Praktisch heißt das, dass die Richtlinie und die Betriebsvereinbarung aufeinander abgestimmt sein müssen. Wer sie getrennt schreibt, produziert Widersprüche, die im ungünstigsten Moment auffallen.

Wovon ist das zu unterscheiden?

Betriebsvereinbarung

Die Richtlinie ist eine Anweisung des Arbeitgebers, die Betriebsvereinbarung ein zweiseitiger Vertrag mit dem Betriebsrat. Wo Mitbestimmung greift, ersetzt die Richtlinie die Vereinbarung nicht — sie kann sie ausfüllen, nicht ersetzen.

KI-Governance

Governance ist der laufende Betrieb: Zuständigkeiten, Einordnungen, Prüfungen, Nachweise. Die Richtlinie ist ein Dokument darin. Eine Richtlinie ohne Zuständigkeit veraltet, und eine veraltete Richtlinie ist schlechter als keine, weil sie Sicherheit vortäuscht.

Häufige Fragen

Ist eine KI-Richtlinie Pflicht?+

Nicht als solche. Die KI-Verordnung verlangt Ergebnisse — Einordnung, Aufsicht, Transparenz, Maßnahmen zur KI-Kompetenz — und keine bestimmte Dokumentenform. Eine Richtlinie ist ein bequemes Mittel, mehrere dieser Ergebnisse an einem Ort zu belegen, aber sie ist ein Mittel und kein Selbstzweck.

Wie lang sollte sie sein?+

Zwei Seiten. Wer mehr braucht, hat vermutlich Gesetzestext hineinkopiert oder Fälle geregelt, die im Haus nicht vorkommen. Die Prüfung ist einfach: Geben Sie den Entwurf jemandem aus dem Fachbereich und fragen Sie eine konkrete Frage — etwa ob ein Angebotstext mit einem Werkzeug erstellt werden darf. Findet er die Antwort nicht in einer Minute, ist das Dokument zu lang.

Können wir ein Muster übernehmen?+

Als Gliederung ja, als Inhalt nein. Die entscheidenden Festlegungen — welche Werkzeuge, welche Daten, wer prüft — sind naturgemäß Ihre. Ein Muster, das diese Stellen bereits ausfüllt, beschreibt ein anderes Unternehmen.

Verwandte Begriffe

Die Reihenfolge, die funktioniert

Klären Sie zuerst, welches freigegebene Werkzeug die Aufgabe löst, die Ihre Leute heute mit privaten Zugängen erledigen. Danach schreibt sich die Richtlinie fast von selbst — und sie wird befolgt.

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